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14-18.ch – La Suisse en cartes postales

Im Sommer 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Unter den Jubiläumspublikationen findet sich mit dem Webprojekt "14-18.ch La Suisse en zartes postales" der beiden Freiburger Doktoranden Alexandre Elsig und Patrick Bondallaz erfreulicherweise auch eine digitale Quellenedition, deren erste Version seit wenigen Tagen unter der gleichnamigen Adresse zugänglich ist und die jetzt schon einen Besuch lohnt. Das Projekt 14-18.ch wurde im Rahmen der Infoclio-Projektförderung "Presenting History Online" neben drei weiteren Projekten mit einem Preis ausgezeichnet, der massgeblich zur Realisierung beitrug.

14-18.ch präsentiert eine Auswahl von Postkarten der Jahre 1914 bis 1918 aus dem Fundus der graphischen Sammlung der Nationalbibliothek, ergänzt um ausführliche Kommentare, und ermöglicht einen interessanten und erhellenden Blick auf die zeitgenössische Wahrnehmung der Kriegskatastrophe und ihre Auswirkungen auf Politik, Kultur und Wirtschaft der Schweiz. Als visuelles Massenmedium der Zeit hatten Postkarten vor hundert Jahren ungleich grösseren Stellenwert im Alltag als heute. Im Vordergrund der Analyse stehen bei Elsig und Bondallaz die Sujets der Postkarten, da die Karten der Sammlung grösstenteils nicht gelaufen sind und ohne Text und Frankatur vorliegen. Derselbe Ansatz liegt dem aktuellen Buch "Schweizer Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg" von Georg Kreis zugrunde, das mit den selben Quellen arbeitet. Die beiden Projekte entstanden unabhängig voneinander (und in anfänglicher Unwissenheit um die Konkurrenz), scheinen sich jedoch gut zu ergänzen.

Die auf 14-18.ch präsentierten Postkarten — derzeit handelt es sich um knapp 50 detailliert analysierte Postkarten (sowie eine Reihe zur Illustration der Analyse herangezogener Postkarten, die als kleinformatige Grafiken in einem Archivordner liegen) — sind eingeteilt in die sechs Sektoren politische und militärische Affären, der Alltag des Krieges, humanitäre Nächstenliebe, Humor & Satire, Propaganda und Ideologie sowie Allegorie der Schweiz. Dem Seitenbesucher erschliesst sich diese Einteilung durch eine in sechs Sektoren unterteilte kreisförmige Grafik gleich beim ersten Aufruf der Seite. Die animierte Grafik, die an einen Käse, einen Kompass oder eine Zielscheibe gemahnen mag, erlaubt dem Besucher das thematische Erkunden des Kartenbestandes und ermöglicht über eine mittig angeordnete stilisierte Briefmarke den Zugang zu (derzeit noch etwas knapp gehaltenen) übergreifenden Informationen zum Projekt. Die Auswahl eines Kreissektors führt über eine Überblicksdarstellung der zugehörigen Postkarten zur Detailansicht der Kartensujets.

Die einzelnen Karten werden übersichtlich präsentiert mit Angabe des Titel und grundsätzlicher Metadaten (Urheber, Ortsangabe, Datierung) sowie drei alternativ aufklappbaren Feldern mit einer umfassenden Analyse des Sujets, einem Kommentar und weiterführenden Informationen und Literaturangaben. Die Texte der beiden Autoren weisen eine gute Dichte an Verweise auf bestehende digitale Resourcen auf, sowohl auf bekannte Hilfsmittel der Geschichtswissenschaft wie das e-HLS oder die Amtsdruckschriften als auch auf themenspezifische Portale wie Timbres Sumses oder Rost & Grünspan (wehrgeschichtliches Vereinsportal) sowie auf (offene) Zeitungsarchive.

Die Begleittexte der Postkarten stehen abhängig von deren Ausrichtung entweder seitlich neben der Karte oder unter ihr — eine zugleich zweckmässige und elegante Lösung. Die solcherart responsive Darstellung orientiert sich aber nicht nur an den Inhalten, sondern auch am verwendeten Bildschirm bzw. der Fenstergrösse des Browsers, wodurch das Betrachten der Inhalte auch auf kleinen Bildschirmen gut funktioniert. Der visuelle Auftritt von 14-18.ch ist durch die einfache Zeichen- und Formensprache sowie die sorgfältige Umsetzung überhaupt ausnehmend gut gelungen.

Wie die beiden Autoren vermerken, handelt es sich bei der derzeit zugänglichen Webseite um eine erste Version, die weiter ausgebaut wird. Angekündigt und durch die mehrsprachige Einstiegsgrafik bereits angedeutet ist die Übersetzung der Seite in weitere Sprachen, zunächst ins Deutsche, zudem werden laufend weitere Postkarten ergänzt. Auf der funktionalen Seite wäre daneben eine Suchfunktion sowie die Möglichkeit einer feingliedrigen und permanenten Identifikation einzelner Postkarten, Analysen und Kommentare (im besten Fall natürlich mit Bezug auf die jeweils zugehörige NB-Signatur) wünschenswert. Obwohl die Präsentation gut organisiert ist, dürfte die Übersichtlichkeit bei einem Ausbau der Inhalte leiden. Ein erster und einfacher Schritt Richtung verbesserter Zitierfähigkeit könnte die Angabe eines Zitiervorschlags auf Seiten- oder Sektionsebene sein, ein Fernziel eine Schnittstelle zu Kulturerbe-Plattformen wie Europeana.
Ohne Suchfunktion und mit rudimentärer Zitiermöglichkeit scheint 14-18.ch vor allem auf ein interessiertes breites Publikum ausgerichtet zu sein, weniger aber auf ein wissenschaftliches Publikum oder eine zielgerichtete Recherche.

Die vorliegende erste Version von 14-18.ch lässt wenig Zweifel daran offen, dass die Arbeit der beiden Autoren Elsig und Bondallaz das Ziel erfüllen wird, einen spielerischen und originellen Zugang zu jenem Teil Schweizer Geschichte zu schaffen, der in den nächsten Monaten sicher noch häufig im Mittelpunkt stehen wird. Das Projekt 14-18.ch hat es auf jeden Fall verdient, einen Teil dieser Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Projektwebseite: http://www.14-18.ch

Dieser Beitrag wurde in etwas umfangreicherer Form zuvor auf dem Blog des Vereins Verein Geschichte und Informatik veröffentlicht: 14-18.ch – La Suisse en cartes postales.