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Information Literacy – Entstehung und Standards

Der Begriff Information Literacy (deutsch: Informationskompetenz) tauchte in den siebziger Jahren erstmals im englischen und amerikanischen Bibliothekswesen vor dem Hintergrund einer ständig wachsenden Informationsmenge auf. Harald Gapski und Thomas Thekster definieren Information Literacy als „die Fähigkeit, bezogen auf ein bestimmtes Problem den Informationsbedarf zu erkennen, die relevanten Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie gefundene Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen“.

In einem Aufsatz aus dem Jahr 1974 bezeichnete Dieter Mertens die Befähigung zur Gewinnung und Verarbeitung von Informationen als eine Schlüsselqualifikation und forderte, dass die Vermittlung spezialisierter Fertigkeiten im Bildungswesen gegenüber dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen zurückzutreten habe.

Mit der Gründung des National Forum on Information Literacy (NFIL) durch die American Library Association im Jahr 1989 wurden in den USA die ersten Standards für die Vermittlung von Informationskompetenz formuliert.

Als Folge der US-amerikanischen Verbreitung des Information Literacy-Konzepts durch das NFIL wurden auch in Europa verschiedene Definitionen und Modelle von Information Literacy entwickelt. Doch erst als in Folge der im Jahr 2001 publizierten „STeFi-Studie“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurden in Deutschland erste Schritte eingeleitet um die Informationskompetenz in der Ausbildung zu fördern. Dies weil die Studie zum Schluss gekommen war, dass die Informationskompetenz der meisten Studierenden unzureichend ist. Das BMBF erklärte daraufhin, dass die Förderung der Informationskompetenz im Bildungssystem verankert werden muss. Im Jahr 2006 verabschiedete die Arbeitsgruppe Baden-Württembergischer Wissenschaftlicher Bibliotheken erstmals Standards der Informationskompetenz für deutsche Studierende. Der Begriff Informationskompetenz wird nach diesen Standards nicht mehr nur für das bibliothekarische Informationsangebot (Kataloge, Datenbanken, E-Journals, E-Books) verwendet, sondern beinhaltet auch die effiziente Weiternutzung der Informationen als eine Form des individuellen Wissensmanagements.

Obwohl sich die Hochschulen seit der SteFi-Studie ihre Anstrengungen zur Förderung der Informationskompetenz gesteigert haben, ergaben neuer Untersuchungen, dass die Schulung der Studierenden im Umgang mit elektronischen wissenschaftlichen Informationen nach wie vor unzureichend ist.

Im Rahmen des Projektes "Informationskompetenz an Schweizer Hochschulen" (als Teilprojekt von "e-lib.ch: Elektronische Bibliothek Schweiz") wurden nun auch für die Schweiz wegweisende Standards der Informationskompetenz formuliert.

Laut diesen Standards verfügt eine informationskompetente Person über folgende Fähigkeiten:

1. Sie erkenn den Bedarf an Information und bestimmt die Art und das Ausmass des Informationsbedarfs
2. Sie findet die benötigten Informationen effektiv und effizient
3. Sie bewertet die Informationen und das Vorgehen zur Informationsbeschaffung kritisch
4. Sie verwaltet die gesammelten oder erzeugten Informationen und lässt andere daran teilhaben
5. Sie verwendet bestehende und neue Informationen um ein spezifisches Ziel zu erreichen
6. Sie handelt als verantwortungsbewusstes Mitglied der Informationsgesellschaft

Links:
-Schweizer Standards der Informationskompetenz
-Die Standards der American Association of School Librarians
-Verschiedene Standards für Deutschland auf der Seite Informationskompetenz.de