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CfP: Berge „global“: eine vergleichende Geschichte der Naturforschung in den Bergen, 16.-19. Jahrhundert

15. August 2019 Add to calendar
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Tagung der Internationalen Gesellschaft für historische Alpenforschung (IGHA) 3.-5. September 2020, Universität Lausanne

Verantwortliche: Simona Boscani Leoni, Universität Bern / Université de Lausanne

Seit der Renaissance erlebte die Erforschung der einheimischen Natur in bergigen Gebieten einen Aufschwung. Nach der Entdeckung Amerikas begann die spanische Krone von den Seefahrern sowie von den lokalen Beamten relaciones (Berichte) einzufordern, um Informationen über die Natur und die Menschen der neuentdeckten Territorien zu sammeln. Ziel dieser Befragung war die Verbesserung der Verwaltung überseeischer Gebieten. Unter Philipp II. (1527-1598) wurden cuestionarios para la formación de las relaciones geograficás gedruckt, die viele Fragen an die Amtsträger in den Kolonien enthielten und sie aufforderten, schriftlich Auskünfte zu erteilen (Solano, Abellán 1988; Álvarez Peláez 1993): in vielen Fragen wurden auch die Berge und ihre Natur thematisiert (Mathieu 2011). Gleichzeitig ergab sich eine ähnliche „Entdeckung“ der Alpen (Korenjak 2017), (Boscani Leoni, Mathieu 2005): Beispiele davon sind die Bergbesteigungen und die botanischen Forschungen von Conrad Gessner (1516-1565) (Boscani Leoni 2016), das geographische und naturgeschichtliche Werk von Josias Simler De Alpibus Commentarius (Zürich, 1574), oder auch die Texte von Valerio Faenzi (ca. 1525-1598) (Faenzi 2006) und Francesco Calzolari (1522-1609) (Calzolari 1566). Eine entsprechende Bewegung ist im 17. Jahrhundert in Tibet mit den Jesuitenmissionen zu beobachten (Macgregor 1970).
Während des 18. und des 19. Jahrhunderts stehen z.B. die Anden, die Alpen und der Himalaja erneut im Zentrum des Interesses von Naturforschern, wie die Alpenreisen von Horace-Bénédict de Saussure (1740-1799), die Chimborazo Expedition von Alexander von Humboldt (1769-1859), oder die Reisen des Jesuiten Ippolito Desideri (1684-1733) nach Tibet (Filippi 2014) es beweisen.

Die Beiträge (case studies) der Tagung 2020 der IGHA fokussieren auf die historische Erforschung der Natur in den Bergen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert und heben diese drei Aspekte hervor:

• Die Akteure, Objekte und Praktiken: Wer waren die Akteure dieser Forschungen, welche Rolle spielten lokale Gelehrte oder Laien in diesem Prozess? Wie und was wurde erforscht und warum? Welche Spezimina (Objekte) wurden gesammelt, wohin wurden sie getragen und warum?
• Zirkulation des Wissens: Wie, wo und von wem wurde dieses Wissen rezipiert, übersetzt, eventuell umgewandelt und in einen anderen kulturellen Kontext angewendet? Wie funktionierten der Informationsaustausch und die Zirkulation der Ergebnisse und durch welche Kanäle? Ein Beispiel davon ist die europäische Rezeption von botanischen Forschungen in Lateinamerika: Francisco Hernandez (ca. 1515-1587), Leibarzt von Philipp II., sammelte in Mexico und in Peru ca. 3000 neue Pflanzenarten und musste sich mit dem Problem der Übersetzung der Namen aus dem Náhuatl ins Spanische auseinandersetzen (Barrera 2006).
• Periodisierung: Kann man unterschiedliche Periodisierungen der Erforschung der Natur je nach Berggebiet und nach Forschungsthema erkennen? Mit welchen Veränderungen (z.B. Fachspezialisierung, Professionalisierung der Forschung) kann man die eventuellen unterschiedlichen Periodisierungen erklären?

Papervorschläge bitte mit max. 400 Worten bis zum 15.08.2019 senden an: simona.boscani@hist.unibe.ch; simona.boscanileoni@unil.ch; Unterkunft- und – wenn möglich – Reisespesen werden rückerstattet.

Photo: J.J. Scheuchzer, Ouresiphoitēs Helveticus, sive Itinera per Helvetiae alpinas regiones, Leiden, 1723, Iter V, Fig. IX, Zentralbibliothek Zürich, Ri 133 | G.
Organisiert von: 
Internationalen Gesellschaft für historische Alpenforschung (IGHA)

Veranstaltungsort

Universität Lausanne
-
1015
Lausanne

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Kosten

0.00 CHF