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E-Books, Amazon und Kindle

Wie heute unter anderem in der NZZ zu lesen ist, entwickelt sich der E-Book-Reader "Kindle" für den weltgrössten Online-Versandhändler Amazon immer mehr zu einem Verkaufsschlager und gibt der von verschiedener Seite im Verlauf der letzen Jahre immer wieder geäusserten Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Paradigmenwechsels vom analogen Buch zum E-Book neue Nahrung. Diese Erwartung fusst nicht in erster Linie auf einer naiven Technologiegläubigkeit, gemäss der sich neue Techniken zwangsläufig gegenüber alten und reifen Techniken durchsetzen werden. Sowohl ökonomische Überlegungen als auch das sich wandelnde Benutzerverhalten weisen darauf hin, dass dem Buch in der Form der neuen Generation von E-Book-Reader ein ernsthafter Konkurrent erwachsen sein könnte. Nicht nur sind die elektronischen Bücher bedeutend billiger als die gedruckten. Auch das gerade von Buchfreunden und Buchfreundinnen wiederholt ins Feld geführte Argument, wonach eine Geschichte ihren Reiz nur auf Papier adäquat entfalten könne, scheint speziell bei der jüngeren Generation von Lesenden immer weniger zu verfangen. In einem weiteren NZZ-Artikel wird auf eine Studie der Stiftung Lesen verwiesen, gemäss der es "67 Prozent der unter 20-Jährigen egal (ist), ob sie einen Text auf Papier oder digital lesen – der Inhalt allein sei entscheidend".

Für eine erfolgreiche Zukunft der neuen E-Book-Reader sprechen zudem die weiter voranschreitende Verschmelzung von Computer-, Informations- und Kommunikationstechnologien und der damit einhergehende Umbau der Telekommunikationsinfrastruktur in Richtung eines einheitlichen, IP-basierten Telekommunikationsnetzes. Bereits heute lassen sich die E-Books direkt übers Netz und ohne Vermittlung eines Computers auf den Kindle herunterladen. Es ist zu vermuten, dass in naher Zukunft noch weitere Applikationen möglich sein werden.

Doch ein zentraler Punkt scheint aus meiner Sicht noch nicht geklärt: Die langfristige Sicherung der heruntergeladenen E-Books. Solange sich hier keine langfristige Lösung abzeichnet, werden E-Book-Reader, die ja bis 1500 Bücher speichern können, die klassische Bibliothek, sei sie öffentlicher oder privater Natur, nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen.