Frischs Fiche und andere Geschichten aus dem Kalten Krieg

10.06.2017 - 20.08.2017

Vernissage: 9. Juni 2017 | 18:30 Uhr

Von den Jugendunruhen 1980 bis zum Fichenskandal 1989 ist das Jahrzehnt geprägt vom Kalten Krieg. Die Furcht vor einer Invasion sowjetischer Panzer ist ihr dringlichstes Sinnbild, doch mindestens so stark wirkt die Vorstellung, dass jegliche Abweichung von einem konservativen Wertekanon nur durch Lenkung und Unterwanderung aus Moskau erklärbar sein kann. Um dieser – aus heutiger Sicht – primär imaginierten Gefahr entgegenzuwirken, intensiviert der Staat seine Überwachungstätigkeit und sammelt unkontrolliert Daten verdächtiger Personen und Gruppierungen von Intellektuellen über Naturschützer bis zur Frauenbewegung. Parallel wird eine Geheimarmee aufgebaut, die im Ernstfall aus dem Untergrund gegen die Besatzer operieren sollen.

Die Ausstellung im Strauhof will die Verflechtungen zwischen Literatur und politischer Lage in der Schweiz der 80er Jahre anhand einer Reihe ausgewählter Texte nachzeichnen. Dabei verfolgt sie insbesondere die Wechselwirkung zwischen Realität und Imagination, zwischen Beobachtern und Überwachten, zwischen Anklage und Empörung. Ausgehend von Frischs Fiche, die der Schriftsteller sofort nach ihrem Erhalt zu kommentieren und ergänzen beginnt, werden neun weitere Geschichten erzählt, die diesem Zeitgeist nachspüren.

Zum Auftakt der Ausstellung stehen Originaldokumente rund um Frischs Fiche im Zentrum: Im letzten Typoskript vor seinem Tod verleiht Max Frisch seiner Empörung über den staatlichen Überwachungsapparat Ausdruck. Dazu verwendet er eine Collagetechnik, indem er seine Fiche zerschneidet und mit eigenen Einträgen ad absurdum führt.

Danach folgen acht weitere Geschichten, die von Schauspieler|innen vorgelesen und als Videos inszeniert werden. Dort treffen Augenzeugenbericht, Anklage und Analyse auf Erfindung und Erzählung, Zeitdokumente auf heutige Werke.

Mit Texten von Friedrich Dürrenmatt (1921–1990), Max Frisch (1911–1991), Reto Hänny (*1947), Lukas Hartmann (*1944), Franz Hohler (*1943), Mariella Mehr (*1947), Niklaus Meienberg (1940–1993), Otto F. Walter (1928–1994), Gertrud Wilker (1924–1984), Laure Wyss (1913–2002), Urs Zürcher (*1963)

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8001
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