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Web-Edition: Helvetische Strassenenquête – eine zentrale Quelle für die Verkehrsgeschichte

Die Helvetische Strassenenquête, Umfragen der Helvetischen Republik zum Strassenwesen um 1800, ist neu in einer digitalen Edition online zugänglich. Die Webseite bietet vielseitigen Zugang zu den Strassenumfragen und dem weiteren Kontext dieses helvetischen Projekts.
Die Web-Edition geht aus einem Forschungsprojekt hervor, das am Historischen Institut der Universität Bern realisiert wurde.

Die helvetische Stassenenquête
In der Helvetischen Republik (1798–1803) wandte sich die neue Zentralverwaltung mit Umfragen zu den Strassen- und Verkehrsverhältnissen und mit dem Auftrag an die Kantone, die Strassen nach Kommunikationsbedeutung und Verkehrsaufkommen zu klassifizieren. Diese helvetische Strassenenquête und weitere Erhebungen der helvetischen Verwaltung sind ein wichtiger Fundus für die Verkehrsgeschichte und für die Geschichte der Helvetik. Anhand dieser Quellen können die Wegnetze und das Strassenwesen um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert rekonstruiert und detailliert beschrieben werden. Die Strassenumfragen erlauben einen Blick zurück in das ausgehende 18. Jahrhundert, als erst wenige Strassen als sogenannte Chausseen ausgebaut waren und besonders im Gebirge noch viele Wege nur zu Fuss oder mit Reit- und Saumtieren bewältigt werden konnten. Die Kampagnen zur Informationsbeschaffung waren Elemente jener grundlegenden Erneuerung der Strasseninfrastruktur, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts international in einer bemerkenswerten Parallelität begonnen hatte und die Teil der Intensivierung der regionalen und überregionalen Raumbezüge war, die auf verschiedenen Ebenen erfolgte. Verbesserte Strassen, ein eigentliches Nationalstrassennetz, hätten in der Helvetik eine wichtige Grundlage der forciert angestrebten Staatsintegration werden sollen: Nation Building per Strassenbau. Über die verkehrsgeschichtlichen Resultate hinaus sind aus den helvetischen Akten zum Strassenwesen auch wichtige Informationen zum Funktionieren der helvetischen Verwaltung, ihrer Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden und allgemein zur Verwaltungsmodernisierung zu gewinnen.

Das Forschungsprojekt
Unter der Leitung von André Holenstein und Hans-Ulrich Schiedt wurden am Historischen Institut der Universität Bern die Wegnetze der Jahre um 1800 rekonstruiert und die Strassenenquête kontextualisiert. Die Resultate des Projekts sind auf der Webseite über vielfältige Zugänge verfügbar: über eine historische Beschreibung der Umfragen und ihre Einbettung im weiteren historischen Kontext, über Kartendossiers, über die Wegnetze in einer interaktiven Karte und über faksimilierten Quellen und entsprechende Transkriptionen.



Weitere Informationen zur Realisierung des Projekts und den Forschungsresultaten sind im Mediendossier des Historischen Instituts der Universität Bern online verfügbar.