Verfolgung und Flucht: damals gleich wie heute?

13.02.2019 - 20:00 Add to calendar

Vortrag von Dr. phil. Gregor G. Spuhler, ETH Zürich

Die schweizerische Flüchtlingspolitik zur Zeit des Nationalsozialismus weckt bis in die jüngste Zeit Emotionen, obwohl die damals Verantwortlichen schon lange gestorben sind. Dies liegt zum einen an den ungeheuerlichen Dimensionen der deutschen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und der fundamentalen Herausforderung, die diese für die demokratischen Rechtsstaaten ebenso wie für die einzelnen Menschen darstellte. Zum andern werden in der Debatte über die Vergangenheit auch Themen der Gegenwart abgehandelt: Auf der einen Seite steht das Argument, es sei billig und ungerecht, aus der sicheren Distanz von über 70 Jahren den Stab über die damalige Generation zu brechen. Auf der anderen Seite wird mit Blick auf die heutige Flüchtlingspolitik behauptet, man habe aus der Vergangenheit nichts gelernt. Doch lässt sich die schweizerische Flüchtlingspolitik zwischen 1933 und 1945 mit der heutigen Situation überhaupt vergleichen?

Im ersten Teil seines Vortrags stellt der Historiker Gregor Spuhler die Flüchtlingspolitik zur Zeit des Nationalsozialismus ins Zentrum. Ausgehend von den Erlebnissen eines Schweizer Offiziers an der Grenze 1943 werden Einzelfälle und individuelle Erfahrungen mit den grösseren Zusammenhängen der schweizerischen Flüchtlingspolitik verknüpft. Dabei werden jene Fragen diskutiert, die in der Öffentlichkeit regelmässig zu Kontroversen führen: Was waren die nationalen und internationalen Rahmenbedingungen, in denen die schweizerischen Verantwortungsträger handelten? Was bedeutet die Metapher vom «vollen Boot»? Wer trug die Verantwortung für die Kennzeichnung der Pässe deutscher «Nichtarier» mit dem «J»-Stempel?

Im zweiten Teil wird ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen seit 1945 gegeben. Dies erlaubt eine Auseinandersetzung mit der Frage des Vergleichs: Inwiefern lässt sich die heutige Situation mit damals vergleichen? Was hat sich grundlegend geändert? Und was ist allenfalls konstant geblieben? Ein Blick auf die Gegenwart und die Rolle der Schweiz im internationalen Kontext öffnet den Horizont für die Diskussion über den Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart und darüber, ob sich für die Gegenwart überhaupt etwas «aus der Geschichte lernen» lässt.

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